Elisabeth Mertl, OFI Expertin, am Podium beim European Forum Alpbach 2022. Fotocredit: © OFI/ Fürnsinn

Wie jedes Jahr, hat sich auch 2022 die Technologie-Community Ende August in den Tiroler Bergen zum Austausch getroffen. Neben bekannten Gesichtern, konnte man dieses Jahr auch ihres entdecken: OFI Expertin Elisabeth Mertl war zum ersten Mal vor Ort.

Im Rahmen der Conference Week II Tec des European Forum Alpbach, die von 25. bis 27. August 2022 stattfand, hat sie OFI und ACR am Podium vertreten und mit Entscheidungsträger*innen der Forschungscommunity das Thema „Fakt oder Fake oder Hauptsache wirksam? Die Rolle der Forschung im Postfaktischen Zeitalter“ diskutiert.

Um auch denjenigen, die nicht live vor Ort sein konnten, zumindest einen kleinen Einblick zu gewähren, hier ein Kommentar von Elisabeth Mertl rund um die Frage „Was gilt es für Forscher*innen bei der Kommunikation von Wissen zu beachten?“

 

Fakt oder Fake. Wissen(schaft) kommunizieren.

Sie lesen gerade einen Artikel, der zum Teil mit meinen Zehen geschrieben wurde. Sie glauben mir? Weil Sie finden, dass mein Bild vertrauenserweckend erscheint und ich als Wissenschaftlerin des Österreichischen Forschungsinstituts für Chemie und Technik (OFI) schon keinen Unsinn schreiben werde? Oder glauben Sie mir nicht, weil es rational betrachtet weit hergeholt wirkt und Sie Ihr kritisches Denken aktiviert haben?

Da dieser Kommentar in meinem Wohnzimmer entstanden ist, kann auch nur ich die Frage beantworten. Und genau da beginnt das Dilemma. Denn wie lässt sich die Wahrheit herausfinden, wenn man selbst nicht dabei war? Wie lassen sich widersprüchliche Informationen ordnen, wenn man zu einem komplexen Thema selbst nur oberflächliches Wissen besitzt? Wie geht man damit um, dass plötzlich alle Expert*innen zu sein scheinen und unterschiedlichste Wahrheiten präsentieren?

Aufklärung und Quellen können als Wegweiser dienen, allerdings muss am Kern angepackt werden: Vergleicht man einen wissenschaftlichen Artikel mit einem Beitrag, der polarisieren will, so unterscheiden sie sich v.a. durch die Emotionen, die sie wecken (wollen). Viele Verschwörungstheorien haben nicht den Anspruch nachvollziehbar oder logisch zu sein, solange sie Angst und Panik schüren können. Damit treffen sie oft auf guten Nährboden, denn das Vertrauen in Politik und Wissenschaft wurde oftmals enttäuscht.

Und genau hier gilt es anzusetzen: Ein rein wissenschaftlicher Artikel ist selten „catchy“ und kann viele Aussagen nicht so präzise auf den Punkt bringen- denn klar, Wissenschaft ist oft komplex. Doch es gilt die verstaubte Vorstellung loszuwerden, dass Wissenschaftskommunikation nur sachlich sein darf. Mit neuen Kommunikationskonzepten kann Wissenschaft auch sympathisch sein und Emotionen triggern. So könnte es auch gelingen Vertrauen zurückzugewinnen, und eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Einige Vertreter*innen, wie die Science Busters oder die Youtuberin maiLab, gibt es ja schon, und auch im Bereich der angewandten Forschung findet sich mit der ACR, die auf diversen sozialen Netzwerken aktiv ist, ein tolles Beispiel. Davon bitte mehr! Denn es braucht wieder Menschen, denen wir zuhören, deren Inhalten wir folgen können und uns mittels gesunder Skepsis dazu entscheiden, ihnen zu glauben und zu vertrauen. Denn wir können ja nicht alle zu jedem Thema Expert*innen sein.

Und nochmal zum Anfang zurück: Es waren tatsächlich ein paar Zehensätze dabei - mein Zehn-Zehensystem lässt allerdings noch etwas zu wünschen übrig.

 

Dieser Kommentar wurde auch in Austria Innovativ, Ausgabe 4-22, veröffentlicht.

 

Forschungsschwerpunkt: Tierversuche verhindern

In ihrer Forschung beschäftigt sich Dr. Elisabeth Mertl mit der Weiterentwicklung von In-vitro Testmethoden. Ziel ist, dass Hersteller von Medizinprodukten künftig auf Tierversuche verzichten können. Dafür hat sie mit ihrem Team im Rahmen des Forschungsprojekts BioRelation bereits erste Grundlagen geschaffen.

Für ihre Leistungen wurde Mertl u.a. mit dem ACR Woman Award 2019 und dem Living Standards Award 2022 ausgezeichnet.

 

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OFI Expertin für Medizinprodukte

Dr. Elisabeth Mertl
t: +43 1 798 16 01 - 570
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